Kohlenbrennerei / Koehlerei

Die Kunst, aus Holz Kohle zu brennen, entwickelte sich bereits in der Bronze- und Eisenzeit. Holzkohle benoetigte man bis zur Erfindung des Koks-Verfahrens im 18./19. Jahrhundert vor allem fuer das Schmelzen und das anschliessende Schmieden von Metallen. Daneben war die Holzkohle fuer zahlreiche andere Gewerbe ein unentbehrlicher Rohstoff: für das Loeten, für das Ziehen von Wachskerzen, beim Branntweinbrennen zum Entfernen des Fuseloels, zum Entfaerben und Klaeren von Fluessigkeiten und zum Herstellen von Schiesspulver (aus Faulbaum-Kohle). Aber auch für Heizzwecke in Haushalt und Baeckerei und überall dort, wo intensive Waerme ohne staerkere Rauchentwicklung benoetigt wurde, verwandte man Holzkohle. Linden- und Weidenkohle benutzte man zum Zeichnen.Bis zum 16. Jahrhundert wurde das Holz in Erdgruben (Kohlengrube, fovea) verkohlt, danach zunehmend in Meilern, fast kreisrunden , kegelförmigen Haufen, die um Pfeiler (Quandel) herum aufgeschichtet und mit einer Schicht von Rasen, Erde und Steinen bedeckt waren. Durch Verbrennung eines kleinen Teiles wurde das Holz unter Luftabschluss erhitzt und verkohlt. Das Köhlereiverfahren lieferte nur Holzkohle; die übrigen im Holz enthaltenen wertvollen flüssigen und gasförmigen Nebenprodukte gingen verloren. Sie können erst seit Durchsetzung der Retortenverkohlung gewonnen werden.

Vor allem wegen der Nähe zu dem die Köhlerei in großer Menge benötigten Rohstoff, daneben aber auch aus Gründen der Brandsicherheit geschah das Kohlenbrennen fast ausschließlich im Wald. Zahlreiche Forstordnungen enthalten eingehende Vorschriften über die Anlage und Größe der Meiler sowie Brandschutzbestimmungen (z. B. Grimm, VI 121, 397).Bis zum 19. Jahrhundert trug der Wald noch die ungeheure Last der Kohleversorgung, vor allem - nach Zunahme der Eisenverhüttung - für die zahlreichen Hüttenwerke die in den Waldgebieten entstanden waren. So gab es z. B. allein im Soonwald vier Eisenhütten. Ein Werk mit einem Hochofen und angeschlossenem Eisenhammer benötigte um 1800/1810 bei einer "Reise" (Arbeitsperiode) von 6 Monaten im Jahr allein an Kohlholz etwa 6000 Festmeter. Jede Soonwald-Eisenhütte verzehrte in dieser Zeit die Ernte 80 ha Waldfläche. Zur Meilerung von 1 kg Holzkohle benötigte man 8 kg Buchenholz. Je Kilogramm Eisenerzeugnis waren nicht weniger als 52 kg Holz (Kohlholz, Bauholz, Grubenholz) notwendig. Da das Holz zudem bevorzugtes Baumaterial und hauptsächlich Brennmaterial war, machte sich in vielen Gegenden Deutschlands schon seit dem 16. Jahrhundert ein Holzmangel bemerkbar.

Soweit nicht - wie im hohen Mittelalter wohl noch allgemein - die Bauern selbst die Kohlen brannten und soweit das Kohlenbrennen nicht ausschließlich dem Schmied (Waldschmid) zugewiesen war, wurde die Holzkohle von Köhlern gebrannt. Diese wirtschafteten jedoch nur selten auf eigene Rechnung; meist waren sie Hörige des Grundherrn oder Arbeiter der dörflichen Gemeinden und Gemeindeverbänden, ohne selbst zur Dorfgemeinschaft zu gehören. Gelegentlich sind auch Bau und Unterhaltung der Kohlhütte als Gemeindebau bezeugt /Bader 378 mit weit. Nachweis.) . So tritt der Köhler in den deutschen Sagen und Märchen, wo er wegen seines zurückgezogenen Lebens im Walde eine gewisse Rolle spielt, fast immer als "armer Köhler auf".In den Wäldern finden sich noch heute an vielen Stellen die runden Meilerplatten, wo einst Kohle gebrannt wurde. Manche Namen halten die Erinnerung an die Köhlerei aufrecht: so die Familiennamen - Kohler, Köhler, Kohlbrand, Brenner und Senger; ferner Wege und Flurnamen wie Kohlenstraße , Köhlerweg, Kohlhecke, Kohlplacken.

Handbuch der deutschen Rechtsgeschichte  Schmid / Berlin

Aufbau eines Meilers

Auf einem nach außen hin abfallenden Rundplatz - damit alle Feuchtigkeit nach außen abfließen kann - baut er zuerst das Gelege, ein Holzgerüst, dessen sorgfältiger Aufbau wichtig ist, damit der Meiler richtig durchglüht. In der Mitte ist eine ca. 2 m lange Stange im Boden verkeilt; um sie herum werden die ersten Holzscheite aufgestellt und sorgfältig als Kamin zusammengebunden. Dann werden solange Holzscheite angelehnt, bis die untere Lage vollendet ist. Der Bau der zweiten Lage beginnt wieder mit dem Mittelteil. Der Meileraufbau erreicht so eine Höhe von ca. 2m und einen Durchmesser von 4 bis 5 m. Die leicht konische Form des Meilers erleichtert das Abdecken mit Fichtenzweigen und das anschließende Bewerfen mit schwarzen, krümeligen Lösch, die vor allem aus verkohlter Rinde besteht. Dieses Abdecken ist notwendig, um keine Luft zutreten zu lassen. Es soll nämlich nur ein möglichst kleiner Anteil des Holzes verbrennen, der die Hitze für die eigentliche Umwandlung in Holzkohle liefert. Die Hauptmenge des Holzes soll nur verkohlen, d.h. die flüchtigen Bestandteile werden ausgetrieben, bis überwiegend Kohlenstoff übrigbleibt. Damit möglichst wenig Holz verbrennt, wird auch die oben befindliche Kaminöffnung, durch die der Meiler angezündet wurde, nach dem ausreichenden Anbrennen des Meilers wieder geschlossen. Der Meiler glüht nun von oben nach unten durch. Im Innern des Meilers verbrennt nur ein Teil des Holzes und erzeugt die notwendige Hitze. Die dafür nötige Luftzufuhr regelt der Köhler, indem er unten am Gelege Luftlöscher freilegt.

Die Hitze im Meiler führt bei fast völligem Fehlen von Luft (Sauerstoff) zur Verkohlung des Holzes. Dabei wird das Holz zu etwa 35 % in Holzkohle umgewandelt. Bei diesem Vorgang werden auch verschiedene andere Stoffe freigesetzt, vor allem Wasserdampf, Holzgas, Holzgeist und Teerprodukte. Bei den im Meiler herrschenden Temperaturen sind sie fast alle gasförmig. Ein Teil der freigesetzten Produkte entweicht aus den Abzugslöchern, die der Köhler rund um den Meiler sticht. Diese Abzugslöcher verlegt er mit dem Fortschreiten des Durchglühens immer weiter nach unten. Bei bestimmten Witterungsbedingungen kann man die Teerprodukte als leicht bräunlichen Dampf direkt an der Austrittsöffnung der Abstichlöcher sehen.

Es dauert knapp zwei Wochen, bis der Meiler durchgeglüht ist. Dies hängt weitgehend von der Beschaffenheit des Holzes, der Güte des Aufbaues, von der Umgebungstemperatur und von der zuverlässigen Überwachung des Schwelvorganges ab. Während dieser Zeit muss der Köhler Tag und Nacht in der Nähe seiner Meiler bleiben, um verhindern zu können, dass sie durchbrennen. Gelegentlich sammelt sich nämlich Gas im Innern des Meilers an, das die Abdeckung abwerfen kann. Wenn das geschieht, kann so viel Luft zutreten, dass der ganze Meiler abbrennt. Anstatt Holzkohle könnte der Köhler dann nur noch Asche ausräumen. Um von vornherein ein unregelmäßiges Durchglühen zu verhindern, klopft der Köhler von Zeit zu Zeit den Meiler mit einem Holzschlegel zusammen. Wenn der Meiler vollständig durchgeglüht ist, kann der Köhler mit seinen Gehilfen an das Einreißen des Meilers gehen. Damit die teilweise noch glühende Holzkohle nicht verbrennt, wird sie immer wieder mit Wasser übergossen.

Die ursprüngliche Holzstruktur bleibt auch in der Holzkohle großenteils noch erhalten.

Landesmedienzentrum Koblenz